Da wäre zunächst einmal "Die Stadt und das Mädchen", ein Manga von Jiro Taniguchi. Ich kenne inzwischen ein paar seiner Manga und auch wenn z.B. "Bis in den Himmel" von einem folgenschweren Unfall handelte, so war "Die Stadt und das Mädchen" deutlich anders und dunkler als die mir bislang bekannten Manga. Shiga ist Bergsteiger und lebt in den Bergen. Als Megumi (das titelgebende Mädchen), die Tochter seines verstorbenen Freundes, in Tokio verschwindet, macht er sich auf den Weg in die Stadt, um ihrer Mutter und ihren Großeltern beiseite zu stehen und Megumi zu suchen, auch wenn zwischenzeitlich auch die Polizei die Ermittlungen aufgenommen hat. Ich habe mit Shiga gemeinsam die ihm zwischenzeitlich fremd gewordene (und mir ziemlich vollständig fremde) Stadt und das soziale Leben in ihr nach Hinweisen auf Migumi durchsucht, in der Schule nachgehakt, Mitschülerinnen angesprochen, nach einem Hinweis die Polizei informiert. Gespräche einerseits, die Zeichnungen andererseits, die diese z.B. durch Körperhaltungen und Blicke der Menschen komplettieren, ergaben dabei auch so manche dunkle Szene. Ich empfand das Tempo der Geschichte als drängend, nicht im negative Sinne, und hatte hier ein sehr intensives Leseerlebnis.
In Japan spielte auch "Kirschblüten und Rote Bohnen" von Durian Sukegawa. Sentaro arbeitet in einem Imbiss und verkauft dort Pfannkuchen, die mit roter Bohnenpaste gefüllt sind. Zwar macht er die Pfannkuchen aus Kostengründen selbst, aber die rote Bohnenpaste ist industriell gefertigt. Eines Tages taucht eine alte Frau (Tokue) vor dem Imbiss auf, bietet ihre Arbeitskraft für extrem wenig Geld an und lässt eine kleine Dose mit rotem Bohnenmus da. Wie es mit den beiden weiter geht, warum Sentaro in dem Imbiss handelt und warum Tokue jahrzehntelange Erfahrung mit Bohnenmus hat, erzählt dieser Roman. Auch hier gefiel mir die Erzählart und besonders, wie der Autor das Auf und Ab bei Sentaro beschreibt und durch Tokues Hintergrundgeschichte wurde mir wieder etwas Neues vermittelt. Etwas blass blieben dagegen die Nebencharaktere, besonders über Wakana hätte ich gern noch etwas mehr gelesen. Und, aber das ist ein noch persönlicherer Geschmack, ich mag offensichtliche (und manchmal noch wiederholte) Motivationsreden nicht, die es zwar im klassischen Sinn (ala Lebe Deinen Traum) hier nicht gibt, aber die Andeutungen habe ich wahrgenommen; das ist einfach nicht mein Ding. ;)
Von Jan Böttcher habe ich "Das Kaff" gelesen. Hier kehrt der Architekt Michael aus Berlin in sein Heimatdorf zurück, um dort als Baustellenleiter einen Neubau zu überwachen. Bislang ist Michael ganz gut damit gefahren, dem Kaff den Rücken zu kehren, weg von der Provinz, der Familie, dem Gerede, dem immer gleichen Trott. Nun wohnt er in dem Haus eines Ex-Schulkameraden, der gerade einen langen Familienurlaub macht, geht wieder im Fluss baden, entdeckt alte Orte neu und schaut sich ein lokales Fußballspiel an. Ich mochte, wie sich über weite Teile des Romans Michael entwickelte, was sich in seinen inneren Monologen zeigte. Hier zog er über den Trott her, erinnerte sich daran, was ihn alles störte und warum es in Berlin oder jedenfalls außerhalb des Kaffs für ihn besser ist - und wie er sich dann selbst dabei überrascht, etwas zu tun, was die Gemeinschaft im Kaff betrifft. Es ist dieses Hin und Her, das "ja, aber", das ich als Dorfkind nachvollziehen kann. Den eigenen Weg zu finden in oder aus dieser Gemeinschaft heraus, die dich kennt, die dich hat aufwachsen sehen, die Erwartungen an dich stellt oder von der du annimmst, das sie diese hat, ist nicht immer klar oder einfach.
"Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler, in dem es anders um ein Leben in einer Gemeinschaft, in einem Bergdorf, geht, hat mich sehr berüht und beeindruckt. In diesem relativ schmalen Büchlein geht es um Andreas Egger, der als kleines Kind Ende des 19. Jahrhunderts auf einem Hof bei entfernten Verwandten n den Bergen mehr oder weniger abgeladen wird, dort aufwächst, sich verliebt und arbeitet. Ich habe immer wieder an meinen Vater denken müssen, als ich das Buch las, weil er wie Egger jemand war, der erledigte, der sich ümmerte, auch ohne viel zu sagen oder weit auszuholen, der weiter machte, trotz allem.
Auch um Gemeinschaft in einem kleineren Ort ging es in "Anders" von Andreas Steinhöfel. Andreas Steinhöfels Sprache und den im Rahmen der Geschichte wechselnden Stil mochte ich sehr, auch wenn ich mir wünschte, er hätte ganze Fragesätze gebildet, wenn Anders nach Milch fragt. Die Art und Weise, wie der Junge, der vor dem Unfall (v.d.U.) Felix war und sich danach Anders nennt, seine Umgebung wahrnimmt, wird weniger durch Anders selbst präsentiert als mehr durch die Menschen, die mit ihm umgehen: z.B. der Krankenpfleger, der Nachhilfelehrer, die Eltern und die Lehrin, sein Mitschüler Ben. Und zugleich wird durch die Interaktionen mit Anders das Leben dieser Menschen beleuchtet. Schade fand ich dagegen, dass ein Geheimnis so schnell erkennbar ist und dass für mich der Abschluss etwas zu ... kurz gefasst war.
Zwischendurch brauchte ich aber doch mal etwas anderes und so habe ich immer wieder in dem ebook "And then you're dead - The world's most interestings ways to die" von Cody Cassidy und Paul Doherty gelesen. Man könnte den Titel so verstehen, dass es um interessante bzw. kuriose reale Todesfälle geht - das ist nur teilweise richtig. Zwar werden immer wieder reale Unfälle, auch Todesfälle, hinzugezogen und dienen der Erläuterung (z.B. für den Fall, dass im Flugzeug das Fenster neben mir kaputt ginge oder wenn mir vom Empire State Building ein Baseball auf den Kopf fällt). Aber genauer gesagt wird in vielen Einzelkapiteln der Frage "Was wäre, wenn" nachgegangen, wobei es auch um rein wissenschaftliche Ableitungen bzw. um Hypothesen vor dem Hintergrund des heutigen Stand des Wissens geht (z.B. Was wäre, wenn man auf der Venus ein Picknick veranstalten würde oder die ISS als Startpunkt für Skydiving wählt oder man dem Gegenüber wirklich, also wortwörtlich, die Hand schütteln wollte - was wir physikalisch gesehen offenbar nie tun). Ich fand die Ausführungen interessant, manche Themen nicht ganz so, unterhaltsam präsentiert und durchaus lehrreich.
Dann habe ich noch eine Comic-Biographie gelesen "Feynman - Ein Leben auf dem Quatensprung" von Ottaviani (Text), Leland Myrick (Artwort), Hilary Sycamore (Kolorierung) und Ebi Naumann (Übersetzung ins Deutsche) und war von ihr sehr angetan, weil sie für mich Feynmans Facetten und Humor transportiert hat. Ich mochte die grafische Umsetzung der episodenhaft präsentierten Biographie, z.B. der Vorlesung zur Lehre der Lichts und die Details (gedankliche bunte Formeln, Feynman-Diagramme, Kritzeleien auf einem Blatt ). Was mich leider immer mal wieder herausbrachte war, dass der Comic zwar zeitlich strukturiert war, jedoch zwischen verschiedenen Anekdoten hin und her sprang, wobei eine "Überleitung" oder Verbindung nicht immer greifbar war. Es wirkte leider manchmal dadurch wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen.
Zur Entspannung habe ich außerdem meiner Star-Trek-Leidenschaft gefrönt und zwei Titel gelesen, die sich beide mit dem Mirror-Universum beschäftigen. In dem Roman "Dark Mirror" von Diane Duane wird die die Enterprise D samt Crew in das Mirror Universum gezogen und sieht sich dort einer weiteren Enterpris gegenüber. Und natürlich geht es darum, herauszufinden, wer Schiff und Crew aus welchem Grund ins Mirror-Universum gebracht hat und wie man wieder zurückkommt, denn ein Transporter war dieses Mal nicht beteiligt. Die Interaktionen der Crews und die Charakterisierung fand ich faszinierend, auch die Grundstory, allerdings hatte die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu viel Techno-Babbel. Der Comic "The Mirror Universe Saga" von Mike W. Barr spielt dagegen nach dem Film "Search for Spock", also Star Trek III, und hier haben es Captain Kirk und seine Crew mit dem Mirror-Universum zu tun. Ich fand das Tempo der Geschichte gut und die Hauptstory grundsätzlich auch gut zu Ende gebracht, den nachfolgenden Abschluss allerdings weniger; für mich fühlte sich letzterer nicht richtig an, was mit Captain Kirks Aktionen zu tun hat (mehr will ich hier nicht verraten). Die Zeichnungen... Nun, die Charaktere waren für mich nicht immer deutlich erkennbar und manchmal brauchte ich einen Moment um zu sehen, ob ich gerade mit der Mirror-Crew oder unserer zu tun hatte bzw. in welchem Universum ich mich gerade befand, weil auf der Seite geswitcht wurde. Trotzdem wurde auch hier die Dynamik der Story für mich transportiert.
Ich genieße derzeit den Balkon und meine Lesezeit sehr, wie man hier lesen kann. Und ich hatte trotzdem noch Zeit, mir die Staffel 10 von Doctor Who abends auf DVD anzuschauen. Urlaub ist toll. :) Hm, fünf Neuzugänge der letzten Tage liegen hier noch (zwei Manga, ein Roman, ein Sachbuch, ein Hörbuch) und in der Paketstation sollten die ersten drei Staffeln von "Earth: The final Conflict" liegen. Für Nachschub ist also gesorgt und es geht erst am kommenden Montag, 09.07.18, wieder ins Büro. :)
Hihi, das nenne ich mal einen erholsamen und leseintensiven Urlaub! :)
AntwortenLöschenIch freu mich, dass dir "Die Stadt und das Mädchen" gefallen hat - es ist ja schon ein etwas anderer Erzählstil, als in den meisten Manga, die du von ihm kennst. Drängend fand ich die Geschichte auch, gerade weil viele Passagen in überraschend vielen kleinen Einzelschritten (z.B. an der Hauswand) erzählt werden.
Ich kann es ja noch nicht beurteilen, ob das bei "Kirschblüten und rote Bohnen" so ist, aber es gibt eine bestimmte Form der "Motivationsrede", die so oft in japanischen Filmen vorkommt, dass ich das Gefühl habe, dass das zum japanischen Alltag gehört. Für mich auch immer wieder befremdlich und etwas, das ich als Teil einer anderen Kultur registriere und dann ignoriere. *g*
Was die restlichen Bücher angeht, so würde ich spontan behaupten, dass sie nichts für mich sind. ;) Aber ich freue mich sehr, dass du sie zum Großteil so sehr genossen hast. Du hast anscheinend gerade ein sehr gutes Händchen für Neuzugänge! :)
Ich wünsche dir weitere wünscherschöne Lesestunden auf dem Balkon, erholsame Urlaubstage und abends immer eine ansprechende Serienfolge im Player. *g*
Ich war auch erstaunt, Konstanze, wie sehr ich den Passagen an der Hauswand mitgefiebert habe. :)
LöschenDanke! Heute habe ich hauptsächlich Hörbuch gehört während meiner Radtour (uff, ca. 48 km, mein Po! *g*) und einen zweibändigen Manga von Taniguchi beendet. Heute Nachmittag bin ich glatt einmal eingenickt, weil ich so müde war und vermutlich werde ich heute auch früh ins Bett gehen. :)
Uff, ich hoffe, es war bei euch heute nicht so schwül wie bei uns! Auf jeden Fall ist es nach der Strecke kein Wunder, dass du noch eine Runde Schlaf nachgeholt hast. :)
LöschenSchwül war es am Donnerstag nicht, Konstanze, aber auf den letzten ca. 7 km hatte ich leider keinen Schatten, das war dann ziemlich anstrengend. Aber ich hatte mich gut mit Sonnenschutz versorgt, sodass ich mir jedenfalls keinen Sonnenbrand geholt habe. :)
LöschenImmerhin etwas. :)
LöschenToll, dass du auch Balkon und Bücher genießt! Bei mir ist es ebenso und für mich hat nun auch gerade eine Woche Urlaub begonnen. :-)
AntwortenLöschen"Ein ganzes Leben" möchte ich auch noch lesen, daher freut es mich, dass dir das Buch so gut gefallen hat.
Ich bin gespannt, wie Du "Ein ganzes Leben" wahrnehmen wirst.
LöschenBei mir geht am morgigen Montag der Alltag wieder los, Neyasha, Dir wünsche ich eine wunderschöne erholsame Urlaubszeit mit perfektem Wetter genau so, wie Du es magst!