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Donnerstag, 31. Dezember 2020

Konstanzes Sachbuch-Challenge 2020 - *räusper* Endpost

Es ist nicht so, dass ich nach "Exposure" kein anderes Sachbuch mehr gelesen hätte. Nur habe ich zu den späteren kaum Notizen gemacht und, nun ja, es ist schon einige Monate her. Ich sehe die Challenge daher für mich gescheitert an, weil ich schlichtweg keine vernünftigen Eindrücke von den weiteren Büchern geliefert habe und dieser Endpost diese auch nicht ersetzen können wird. :) 

Aber ich will wenigstens aufzeigen, was ich sonst noch so gelesen habe. 

Mit "Star Trek Design" von Judith Reeves-Stevens und Garfield Reeves-Stevens habe ich meiner Trekkie-Leidenschaft nachgegeben und mehr über, nun ja, Design in den Shows (bis Voyager) gelesen. 

Der Schauspieler George Takai, der in der Original-Star-Trek Serie Hikaru Sulu darstellte, berichtet in "They called us enemey"von der Zeit, in der er und seine Familie in amerikanischen Internierungslager verbringen mussten, einfach, weil sie (und andere) japanischer Abstammung waren. Hinein spielt hier auch sein Verhältnis zu seinem Vater. Die Umsetzung erfolgte als Graphic Novel und ich fand das Medium sehr gut gewählt. 

Ich habe noch weitere autobiographische Erfahrungen in Graphic-Novel-Form gelesen, zum einen "A Firestorm" von Brian Fies, in der er in starken Bildern nicht nur seine Erfahrungen aufgrund der Brände im Oktober 2017 in Kalifornien verarbeitet. In "The Imitation Game" von Jim Ottoviani geht es um Alan Turing und im Gegensatz zu der Graphic Novel. die ich zu anderer Zeit vom gleichen Autor über Richard P. Feynman gelesen hatte, kam ich in die dargestellten "Technikalien" bei Turing nicht hinein. Eindrucksvoll, erschreckend, grausig war "Barfuß durch Hiroshima - Kinder des Krieges & der Tag danach" von Keiji Nakazawa, die ersten zwei Bände der weitere Teile umfassenden autobiographischen Reihe; sie umfassen die Zeit vor und kurz nach dem Abwurf der Bombe auf Hiroshima. 

In Form eines Audiobuches habe ich "Stephen Fry in Amerika" konsumiert, gelesen vom Autor selbst. Es war zwar nicht uninteressant, seinen Begegnungen und Anekdoten zuzuhören, aber mir waren diese insgesamt zu kurz und nicht tief genug. Das Buch bzw. Hörbuch war vermutlich ein Nebenprodukt der TV-Produktion. 

Während meines Spätsommerurlaubs bin ich per Buch nach China gereist und habe den Kulturclash von Thomas Derkens mit der Familie seiner Freundin und späteren Ehefrau miterlebt in "Und täglich grüßt der Tigervater: Als deutscher Schwiegersohn in China". Ich bekam, was ich erwartet hatte, humorvoll aufbereitete Erlebnisse und Geschehnisse aus dem familiären Alltag und Anforderungen im Zusammenhang mit der Beziehung des Autors zu seiner zukünftigen Frau. 

Mit der ebenfalls in China befindlichen Stadt "Shenzhen: Die Weltwirtschaft von morgen" beschäftigte sich Wolfgang Hirn. Ich fand es faszinierend, wie die technologische Entwicklung in dieser Stadt voranschreitet, was dort heute schon umgesetzt wird in Bezug auf öffentlichen Verkehr, Elektromobiliät, Start Ups und Zuzug von Firmen.  Hirn geht auch die Entstehung/Entwicklung der Stadt und Umgebung ein, auch in Bezug auf Hongkong. Gleichwohl sollte bei all der Innovation und Begeisterung nicht vergessen werden, wie dieser Staat geführt wird und welche Menschenrechtsverletzungen in ihm begangen werden. 

Nicht nur, aber auch durch Asien ging es mit Martin Klauka "Einmal mit Katze um die halbe Welt" - und zwar mit dem Motorrad. Martin Klauka hatte ein kleines Kätzchen auf einer Tour gerettet und mit nach Deutschland genommen, aufgepäppelt und die "Prinzessin" fand Gefallen daran, mit ihm und seinem Motorrad zu verreisen, bis es letztlich auf eine lange Tour Richtung Asien ging. Anekdoten über die Reise, die Menschen, das Verhalten der Prinzessin - aber auch der Reaktionen der Menschen auf diese neugierig in die Welt schauende Katzen folgen und ich fand das erbaulich zu lesen, auch wenn ich mir ab und an ein wenig mehr Tiefe gewünscht hätte. 

Im genannten Urlaub habe ich auch "Gastrologik: Die erstaunliche Wissenschaft der kulinarischen Verführung" von Charles Spence gelesen und gestehe, dass ich nur wenig konkrete Erinnerungen an dieses Buch habe. Eines allerdings ist mir im Gedächtnis geblieben, nämlich wie stark der Geruchssinn den Geschmack beeinflusst (weshalb ich plante, bei einer gewinnen einzunehmenden Substanz zur Not mit einer Wäscheklammer meine Nase komplett zu verschließen; ich hatte den Geruch/Geschmack dieses Zeugs noch jahrelang im "Geschmacksgedächtnis". Letzlich musste ich das übrigens nicht tun, weil die Entwicklung des Pulvers dankenswerterweise deutlich vorangeschritten ist). 

Über längere Zeit habe ich "Wasser und Zeit. Eine Geschichte unserer Zukunft" von Andri Snaer Magnason gelesen, was eine interessante Erfahrung war, aber nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Der Autor brachte Naturbetrachtung, isländische und familiäre Geschichte, Gletscher (nicht nur in Island) zusammen mit Legenden, Gesprächen (u.a. mit dem Dalai Lama) und seiner deutlich wahrnehmbaren Leidenschaft für die Umwelt und den Umwelttschutz. 

Und dann war doch "Der Salzpfad" von Rynor Winn. Sie und ihr Ehemann Moth verlieren ihr zu Hause und beschließen, den Küstenwanderweg Englands zu wandern; ein wahrlich abenteuerlicher Plan vor dem Hintergrund, dass sie auf die staatliche Unterstützung angewiesen sind, weitere Ausstattung benötigen und Moth krankehitsbedingt eigentlich nicht in der Lage ist, so etws zu stemmen. Und dennoch starten sie und ich habe sie gern dabei begleitet. 

(Die ersten 3 gelesenen und mit richtiger Nachlese versehenen Bücher findet Ihr hier:
- Ich war noch niemals auf Saturn von Michael
- Permanent Record by Edward Snowden
- Exposure by Robert Billot

Okay, so habe ich in diesem Lesejahr noch den Endpost geschrieben. Immerhin. :) 

Donnerstag, 6. Februar 2020

Konstanzes Sachbuch-Challenge 2020: Exposure by Robert Billot

Ich bin mal wieder wütend.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich z.B. nicht mitbekommen haben, dass und wofür Robert Billot den "alternativen Nobelpreis" 2017 erhalten hat, nämlich für die Aufdeckung einer über Jahrzehnte andauernden chemischen Umweltverschmutzung, das Erreichen von Entschädigung für deren Opfer und seinen Einsatz für eine effektivere Regulierung gefährlicher Chemikalien. Vorab auch ein Dislaimer: Ich habe mit Chemie so gar nichts am Hut, das Buch war im amerikanischen Original und so gehen sämtliche Fehler, besonders bei der Bezeichnung/Beschreibung der Chemikalien, auf mich, aber selbst mit Lesart-Fehlern sind die geschilderten Dinge und deren Auswirkungen so  wütend machend. Es ist natürlich auch nicht hilfreich, dass sich die Abkürzungen der Gruppe so ähneln und dass - wie im Buch deutlich wird - gerne Code-Namen bzw. Umbenennungen vorgenommen wurden, so insbesondere C8 statt PfOA.

Als Robert Billot von dem Farmer Earl Tennant angesprochen wird, ist er angestellter Unternehmensanwalt in einer Anwaltskanzlei, die regelmäßig Firmen in Bezug auf Umweltregulierungen etc. berät und betreut. Earl Tennannt kommt über eine persönliche Beziehung, nämlich Billots Großmutter, zu ihm, nachdem er über einen langen Zeitraum mit seinen Fragen und Beschwerden gegen Wände gelaufen ist: Seine Rinderherde hat sich trotz unveränderter Versorgung und Betreuung um die Hälfte dezimiert, seine - eigenen - Obduktionen ergeben seltsamen Veränderungen in den Tieren, die förmlich sichtbar dahinsiechen. Auch Wildleben stirbt, auch Haustiere. Tennant geht von einer Vergiftung der Trinkquelle seiner Herde aus. Er hat den Eindruck, dass die vor Ort ansässige Firma DuPont, die legal dort Abwasser einführen darf, mehr als die regulierten Inhalte einbringt.  Billot schaut sich die Unterlagen an und nimmt in Abstimmung mit den Inhabern der Kanzlei Tennants Fall an, obwohl man sich so auf die "Gegenseite" der sonstigen Mandanten begibt. Die ersten Unterlagen und Untersuchungen sind nicht gerade erfolgversprechend, die Untersuchungen der Proben ergeben nichts. Allerdings macht die Taktik DuPonts Robert Billot misstrauisch und er gräbt weiter, fordert Unterlagen an, die nicht nur auf Abwasser, sondern die Abläufe "davor" umfassen und stößt auf die  Chemikalie mit dem Namen "ammonium perfluorooctanoate" oder auch APFO = eine Version von PFOA

Zur Einordnung nach meiner Laienrecherche:
Perfluoroctansäure, kurz PFOA, gehört, wie mir Tante Wiki erklärt hat, zu den per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (kurz PFAS, ich habe auch PFC gelesen, historisch auch schon mal PFT - es gibt offenbar über 4700 verschiedene PFTs- bzw. PFAS-Verbindungen, es ist also eine große Gruppe) und hat öl- und wasserabstoßende Eigenschaften. Damit wirkt es wie ein Tensid und Tenside werden z.B. als Emulgatoren genutzt. Tenside/Emulgatoren sind zu finden z.B. in Wasch- oder Spülmitteln, Druckertinte, Löschschaum, sie werden aber auch zur Verseifung z.B. von Kakaopulver  genutzt (lt. Wiki).
Und konkret PFOA wurde als Emulgator von DuPont bei der Herstellung von einem Produkt mit dem Handelsnamen "Teflon" verwendet, welches ein Polymer ist und - wenn ich es richtig verstanden habe - auch Polytetrafluorethylen (kurz PTFE) genannt wird.  Zudem hatte die Firma 3M eine artverwandte Chemikalie produziert (laut Buch), diese dann eingestellt, hielt aber Kontakt zu DuPont. 3M ist übrigens die Muttergesellschaft von Dyneon, welche z.B. in Genodorf in Deutschland bis 2004 PFOA produzierte.

PTFE/Teflon wird als Antihaftbeschichtung z.B. auf Pfannen aufgebracht (in diesem Zusammenhang hatte ich "Teflon" auch vor Augen, auch mit der Warnung bei Beschädigung der Beschichtung), aber das ist nur eine von vielen Anwendungen. PTFE wird z.B. in Löschschaum verwendet, bei der Produktion fleckenabweisender Teppiche,  wasserabweisender Outdoor-Kleidung, Arbeitskleidung, antihaftenden  Nahrungsmittelverpackungen im Fast-Food-Bereich/Pizzakartons etc. , und sie können lt. Wiki auch z.B. bei Rasierklingen, Brillengläsern, Piercing-Schmuck,  Backpapier, Gitarrensaiten aus Metall und etlichen Industrieteilen Verwendung finden. In diesen Endprodukten ist also PFOA enthalten, wobei es als unerwünschtes Nebenprodukt in Form von "Restgehalt" oder als Verunreinigung im Endprodukt auftreten kann (so verstehe ich unser Bundesinstitut für Risikobewertung - klick). Und wenn das Endprodukt irgendwann zu Müll wird, bricht es in seine Bestandteile auf.
PFOAs wohin man schaut - bei  Produktion, im Gebrauch und bei der Entsorgung.
In "Exposure" schildert Robert Billot seine jahrzehntelange Arbeit, die seiner Entdecklung der Chemikalie in den Papieren folgte und in welcher er nicht nur familiär unterstützt wurde (seine Frau hat die Erziehung der Kinder und das familiäre Leben gemanagt und gerockt), sondenr auch von seiner Firma und hinzugezogenen Kollegen.

Ich hatte die Befürchtung, dass der Text zu trocken würde, sei es wegen des Chemie-Themas, sei es wegen des juristischen Gehalts in einem Rechtssystem, das ich nicht kenne.  Und ja, es gibt Passagen, die ich etwas trockener empfand, dennoch war die Story für mich über weite Teile informativ und gut zu lesen. Es gab für mich immer wieder "Spannungspunkte" in den drei großen Teilen des Buches (Die Farm, Die Stadt, Die Welt), z.B. im Zusammenhang mit der Recherchearbeit. Andere Passagen sind thematisch und zeitlich gestrafft. Neben Tennant gibt es weitere Einzelschicksale zu erlesen und Einblicke in juristischen Arbeitsweisen in den USA. Schon allein, dass nach Einreichung eines Antrags bei Gericht "relevante" Dokumente zum "Bauen" des Falls direkt an die Gegenseite herauszugeben sind oder Vernehmungen außerhalb des Gerichts (wenngleich mit gerichtlichem Protokollanten) stattfinden, fand ich fremdartig. Im deutschen Rechtssystem gehen relevante Schreiben und Schriftsätze grundsätzlich über das Gericht, das Abschriften erhält, und auch Zeugen bzw. Parteien werden vom Gericht angehört.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese Bereiche für andere Leser*innen nicht so interessanten sind, wie ich sie empfang. Für mich las sich das Buch wie ein Thriller, in welchem David gegen Goliath kämpft, wobei David zudem Vorschussarbeit und -geld leisten muss, während Goliath aufgrund finanzieller Ressourcen andere Möglichkeiten der Verfahrensführung hat. Thriller-Eigenschaften hin oder her: Es gab Zeiten, in denen ich das Buch aus der Hand legen musste, weil mich der Inhalt aufregte und ich immer wütender wurde.Dazu gehört zum Beispiel,
 
- dass DuPont wissentlich jahrzehntelang die Gefahren verschwiegen bzw. Falschinformationen herausgegeben hat, zumal diese Chemikalien persistent und bioakkumulativ sind. 
Zur Einordnung nach meiner Laienrecherche:
So toll "antihaft" und "abweisend" als Eigenschaften dieser Chemikalien sind, so sehr machen genau diese Eigenschaften Probleme beim Abbau: Persistenz bedeutet, dass diese Verbindungen durch physikalische, chemische oder biologische Prozesse über lange Zeiträume in der Umwelt unverändert verbleiben. Bioakkumulativ sind Stoffe, die weder schnell biochemisch ab- oder umgebaut noch rasch ausgeschieden werden und sich daher im Körper ansammeln. Wir haben also sehr lange etwas von diesen Dingen um uns herum und in uns. Selbst wenn die Konzentration im Wasser und Boden zurückgeht und wir bzw. die Tiere/Pflanzen nichts weiter hierüber aufnehmen, dauert die Verminderung in uns lange, setzt verzögert sein und ist häufig nicht vollständige (danke Wiki).
- dass die amerikanische Regulierungsbehörde EPA offenbar zu sehr mit der Industrie vernetzt ist,

- wie sich die aktuelle Situation in Deutschland darstelt (vermutlich ähnlich auch in anderen Ländern), wonach es bislang (Stand 25.01.20) keine gesetzlich festgelegten Höchstgehalte für PFAS in Lebensmitteln gibt (es gibt einen für Trinkwasser mit 0,1 Mikrogramm pro Liter u. ich weiß nicht, ob das viel oder wenig ist) und man der Ansicht ist, dass die Haut - Tragen von Outdoor-Kleidung - eine Barriere für PFOAS darstellt (ich bin mir da nicht so sicher, besonders, wenn man an Mikroverletzungen denkt, aber ich bin, wie gesagt, Laie) und Hauptaufnahmequelle der Chemikalie ja sowieso Nahrung sei, weshalb das Risiko der direkten Aufnahme durch die Bekleidung vernachlässigbar ist (nett!). Mir wurde zudem der Eindruck vermittelt, dass wir sowieso nur begrenzt die Aufnahme von PFOA und PFOAS beeinflussen können (insbesondere über Lebensmittel und Trinkwasser) und eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten daher auch nicht nötig sei und dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung Neugeborener auch durch längeres Stillen mit Muttermilch - dort landen diese Chemikalien nämlich auch - bei _dem_ Expositonsgehalt in Deutschland nicht besorgniserregenend ist und dass die Messwerte gefallen sind und dass auch eine weitere Reduzierung zu erwarten ist. Ich bin da ja eher skeptisch, da so viele mit PFOAS produzierten Dinge im Gebrauch sind und erst noch entsorgt werden müssen, zumal hier vermutlich ein Informationsdefizit der Bürger*innen hinzukommen dürfte. Bezeichnend finde ich in diesem Zusammenhang die beiden nachfolgenden Artikel: Der eine behauptet, dass das industrielle Müllverbrennen von Materialien mit Teflon keine gefährlichen Stoffe hinterlässt - die zu verbrennenden PFTE-Pellet wurden offenbar vom Hersteller geliefert, der auch die Studie initiierte -, der andere führt an, dass eine Entsorgung von PFTE-haltigen Materialien (regelmäßig durch Müllverbrennung) Flusssäure (HF), eine Reihe PFCs (z.B. TFE) oder Trifluoressigsäure (TFA) freisetzt, wobei viele dieser Stoffe gesundheitsgefährdend eingestuft und nur schwer abgebaut werden u. die Umwelt anreichern. Es gibt "HotSpots" in Deutschland, z.B. in Bayern (klick). Nicht nur in  Nordrhein-Westfalen wurde Dünger aufgebracht, der aus (falsch deklariertem) Industrieabfall hergestellt wurde, der PFT enthielt (klick).  Die ganze Informationsseite zu PFOAS und PFAS des Bundesinstituts liest sich für mich wie ein Horrorroman trotz der Angaben zum Monitoring/zu Untersuchungen vom Landesamt für Natur- und Verbraucherschutz in NRW (klick)

So wütend ich auch bin, so bin ich Robert Billot doch dankbar, denn ohne ihn, das glaube ich wirklich, wüssten wir heute nicht so viel über die Gefährlichkeit und die Auswirkungen von PFOAS (und wie sie alle heißen) und vermutlich wären die Regelungen zur Verwendung bzw. dem Recycling der EU auch noch nicht da und die Impulse für die Suche nach Ersatzprodukten bzw. Recycling-Methoden wären auch noch nicht gegeben. Sein erste Klient Earl Tennant brachte Robert Billot an den Fall, aber Billot blieb ebenso wie Tennat am Ball und er ist auch nach Abschluss der Sache Tennant für weitere Bürger aktiv geworden. In seinem Buch spricht er an, dass er aus den Niederlanden kontaktiert wurde, konkret wegen der erhöhten Werte in Dordrecht. Und hier finde ich diese Arte-Dokumentation auf youtube (klick), die sich genau damit im Jahr 2017 beschäftigt - und die nach Lektüre des Buches erschreckend vertraute Abläufe präsentiert. An mir ist die Doku bis heute vorbeigegangen. Ich befürchte, dass das vielen so gegangen ist - und dass vielen die Gefahren nicht bekannt sind, die mit der Produktion von PFTE verbunden sind bzw. mit der Nutzung und Entsorgung.

Ich finde die Materie verwirrend angesichts der Bezeichnungen und Namenswechsel, der sich widersprechenden Informationen und dass die Informationen so verstreut sind (eine weitere Seite ist allum.de mit zB. diesem Artikel klick) - auch das alles macht mich wütend.

Ich hoffe, in meiner kleinen ländlichen Umgebung wird der Film "Vergiftete Wahrheit" (im Original "Dark Waters") mit Mark Ruffalo in einem Kino gezeigt, der offenbar im April  2020 in die Kinos kommt. Und ich hoffe, dass viele Menschen ihn sehen...

p.s.
Mir ist bewusst, dass auch dieser Beitrag wieder nur zur Hälfte das Buch an sich betrifft. Aber das wird mir sicherlich nachgesehen.

Mittwoch, 22. Januar 2020

Konstanzes Sachbuch-Challenge 2020 - Permanent Record von Edward Snowden

Um ehrlich zu sein, habe ich aktuell das Bedürfnis, überall die Kameras zuzukleben (die Frontkamera auf meinem Laptop ist schon länger "geschlossen", insbesondere, da ich entsprechende Kommunikationsmittel nicht nutze, aber es gibt noch das Tablet und das Smartphone) und mich aus dem "Online-Leben" komplett zurückzuziehen. Letzteres funktioniert aber nicht (mehr), zu sehr ist mein privates und berufliches Leben mit der Kommunikation, wenn nicht über Rechner dann doch über mein Smartphone, verknüpft. Google weiß es schon, dass ich mich aktuell verstärkt für Elektromobilität interessiere, weil ich auf youtube nach Fahrtests zu konkreten Modellen gesucht habe - nun werden mir bei den News entsprechende Nachrichten zu diesem Thema angezeigt und Webseiten vorgeschlagen. Algorithmen, die meine Nutzerdaten auswerten und eine Blase um mich bilden ("Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.", Marc-Uwe Kling lässt grüßen).  Mir wurde durch dieses Buch noch einmal stark vor Augen geführt, dass es eben nicht (nur) um die Erfassung von Real-/Rohdaten geht, sondern um die dauerhafte Erfassung der Meta-Daten und welche Rückschlüsse hieraus möglich sind, z.B. durch mein Bewegungsmuster im Mobilfunknetz, selbst wenn ich die Standortdienste deaktiviert habe und nicht online bin. (eine Finanzierungsbank ist - noch- nicht dabei), wo, wann und in welcher Höhe ich bargeldlos etwas bezahle etc.  Edward Snowden bringt es an einer Stelle in seinem Buch auf den Punkt, wenn er sagt, dass er nicht wusste, wo er war (weil er sich vor Ort in Japan nicht auskannte) und zugleich nichts über ihn verboren blieb und er für seine Regierung ein gläserner Mensch war.

In "Permanent record" gibt uns einer der bekanntesten Whistleblower unserer Zeit Einblick in sein Leben von der Kindheit bis zu seinem aktuellen Aufenthalt in Moskau. Es ist eine Autobiographie und als solche erwähnt sie seine Eltern, seine Arbeitgeber, seine nun Ehefrau Lindsay, Mitarbeiter und natürlich Personen, die ihm beistanden und stehen. Edward Snowden war noch keine 30 Jahre alt, als er sich entschloss, Material zusammenzutragen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, welches die Überschreitungen durch die Geheimdienste - inbesondere der USA-  im Zusammenhang mit der Überwachung und dem Sammeln von Daten, die "permanent records" ermöglichen, dokumentierte. Das Buch gibt Einblicke in sein jugendliches Selbst, wie er 9/11 erlebte und wie er letztlich in seinen Jobs landete, die ihn zum Whistleblowing veranlassten. Ähnlich wie die Reporter, mit denen er Kontakt aufnahm, bin ich einerseits verblüfft davon, wie jung er damals war - und zugleich denke ich daran, wie viele Internet-, Politik- und Klima-Aktivisten jung und engagiert sind.  Vielleicht sind ihre Aktivitäten in manchen Sachgebieten u.a. darauf zurückzuführen, dass z.B. Edward Snowden (geb. 1983) oder Chelsea Manning (geb. 1987) mit dem Wissen über die Konsequenzen sich trotzdem als Whistleblower betätigten und Vorbildwirkung haben oder weil sie uns alle als betroffene Bürger sensibilisierten.

Ich fühl(t)e mich seltsam, zunächst zu erfahren, in welchem tatsächlichen Umfang die Staatssicherheit in der Ex-DDR tätig war (Akten haben meine Eltern, soweit ich weiß, nie angefordert und ich habe es auch  nicht; für den Fall, dass es etwas über mich gibt - ich war 1989 im Studium und 20 Jahre - möchte ich Inhalt und mögliche Quellen nicht wissen, jedenfalls immer noch nicht), um dann sicher zu sein, dass in der BRD/in einer Demokratie, dies in diesem Maße nicht vorkommen würde, um dann Edward Snowden zu hören.  Und nun gibt es die umstrittenen Polizeigesetze mit Prämissen wie drohende Gefahr und überschaubare Zukunft und z.B. verdachtsunabhängigen Kontrollen; die Überwachung von Plätzen bzw. Kameranutzung generell, die Forderung nach Klarnamenpflicht im Internet. Ich gebe gern zu, dass auch ich Probleme habe, das "richtige" Verhältnis zwischem dem Bedarf nach Sicherheit und dem nach Freiheit einzuschätzen: Wie frei kann ich als Bürger leben, wenn jeder Schritt überwacht wird, Daten gesammelt und - selbst wenn nicht dauerhaft, so vielleicht jahrelang - gespeichert werden und sie dadurch der (dann an der Macht befindlichen) Regierung/Partei zum Abruf und zur Auswertung zur Verfügung stehen. Und nicht nur dieser, da wir nicht ein duales Leben offline und online führen, sondern ein zersplittertes globales angesichts der weltweit verteilten Datenserver von Apple, Amazon, MicrosoftOffice, Google etc. 

Okay, viel über Edward Snowden bzw. den Inhalt seines Buches an sich ist in diesem Beitrag nicht zu finden. Vielleicht verschafft Ihr Euch selbst einen Eindruck - Stoff zum Nachdenken gibt es jedenfalls genug. Stilistisch wäre das Buch vielleicht besser machbar gewesen (Ghostwriter, lach), aber in der vorliegenden Form wirkt es authentisch. Obwohl im Wesentlichen auto-biographisch enthält es genug Informationen, um weiterhin beunruhigend und relevant zu sein. Tja - ich habe das Buch im Januar 2020 als ebook auf mobilen Geräten - jeweils mit Mikrophon und Kameras - gelesen, die Bezahlung erfolgte online (über die Verknüpfung von Account und Klar-Namen-Bankkonto) und ich habe Updates über goodreads mit Twitter-Verknüpfung erstellt...

Dienstag, 7. Januar 2020

Konstanzes Sachbuch-Challenge 2020 - Ich war noch niemals auf Saturn von Michael Büker

In den letzten Monaten habe ich hier im Blog immer mal wieder den Podcast "Sag mal, Du als Physiker" erwähnt. Irgendwann machte es bei mir dann auch klick: In meinem SuB war ein Buch von einem der beiden Podcast-Physiker, das ich gekauft hatte, nachdem Hermia es vorgestellt hatte. Michael Büker ist Astrophysiker, nimmt an dem Podcast teil und ist als Wissenschaftsjournalist und Sachbuchschreiber tätig.

In "Ich war noch niemals auf Saturn" nimmt Michael Büker mich mit auf eine Reise durch unser Sonnensystem, dann weiter in die Milchstraße und wir werfen auch einen Blick auf andere Galaxien und das Universum und ich muss sagen, mit Ausnahme eines Teilbereiches, den ich ein wenig ermüdend fand (zum Ende hin im Zusammenhang mit den Erläuterungen zur Maßeinheit Parsec und ein wenig auch im Zusammenhang mit Pulsar-Radiomessungen), war es eine gleichermaßen informative wie unterhaltsame Reise.

Michael Büker versteht es, aus einer Masse an Informationen nicht nur die für ein populäres Sachbuch ausreichende Menge herauszupicken, sondern diese dann auch verständlich zu verpacken und darzulegen. Es sind in diesem Buch eine Reihe bemerkenswerter Analogien zu finden. So scheut er nicht, die auf den Saturnmond Io durch die - ich verallgemeinere mal - Nachbarobjekte wirkenden Gezeitenkräfte damit zu vergleichen, dass ein Elternteil mit zwei Kindern in den Supermarkt geht und dann vom ersten  Kind auf der einen Seite zum Süßigkeiten- und vom zweiten Kind auf der anderen Seite zum Spielzeugregal gezogen wird. Auch eine Papiertonne erhält einen Auftritt. Und Fußballspiele, Filme oder Parks werden als Beispiele herangezogen, um örtliche oder zeitliche Größen in einen vorstellbaren Rahmen zu bekommen.

Es gab eine Menge zu lesen und zu erfahren, ob es nun z.B. um die Gasriesen in unserem Sonnensystem geht oder warum auch Zwergplaneten spannend sein können, welche Arten von Sternen wir derzeit kennen und wie ihr Lebensende ausschaut,  wie auf der Erde mal zufällig mal geplant die Forschung voranschreitet oder wie man Erkenntnisse gewinnt über nicht sichtbare Phänomene. Es gab innerhalb von manchen Kapiteln kurze Zusammenfassungen, die sich für mich aber nicht redundant anfühlten, sondern als hilfreiches Bündeln vieler Informationen. Einmal wählte Büker dabei die Form eines Bühnendramas - mal was anderes.

Ich habe das Buch nun erst ca. 3 Jahre nach Veröffentlichung gelesen. Seitdem sind Ereignisse, die Michael Büker in seinem Buch an geplanten bzw. stattfindenden Forschungen anschneidet, sogar eingetreten, z.B. das "Foto" vom schwarzen Loch in der Galaxie M87. Vor diesem Hintergrund ist sein Buch daher ein wenig out of date. Mich stört das aber in keiner Weise. Michael Büker ist seine Faszination und Begeisterung für die Physik im Allgemeinen und die Astrophysik im Besonderen in seinen Texten anzumerken - übrigens auch im Podcast und ebenso seinem dort ebenfalls mitwirkenden Kollegen, dem Teilchenphysiker Johannes Kückens -. Ich kann mir vorstellen, dass Menschen, die sich bislang vielleicht nicht oder kaum für Astrophysik interessieren, hierdurch angeregt und neugierig gemacht werden und vielleicht angesprochenen Themen und Sonden im Netz recherchieren. Vielleicht geht es auch mal in die nächste Sternwarte oder besucht einen Sternenpark (Eifel, Rhön, Westhavelland).

Mittwoch, 1. Januar 2020

Konstanzes Sachbuch-Challenge 2020 - Übersichtsseite

Konstanze veranstaltet in diesem Jahr erneut auf ihrem Blog eine Sachbuch-Challenge (klick). Ich war bereits bei ihrer ersten Sachbuch-Challenge dabei (damals mit einem anderen - offline gestellten - Blog), die thematisch breit gefächert, interessant, lehrreich und durchaus auch schlecht für meinen Stapel ungelesener Bücher war. Auswirkungen sind noch heute zu spüren, da sich damals mein Blick auf das Sachbuch-Angebot geschärft hatte, noch heute damals gekaufte Sachbücher (leider) hier ungelesen im Bestand sind, ich aber auch ohne Challenge in den vergangenen Jahren dadurch immer wieder Sachbücher gelesen habe (immerhin mindestens 6 in 2019). Die Challenge soll mir helfen, mich mehr den ungelesenen Sachbüchern hier im Haushalt zu widmen (mal sehen, wie das läuft) und auch, mich wieder im Schreiben und Nachlesen zu üben. ;)

Diese Seite wird als Übersichtsseite dienen. 8 Sachbücher sollen hier am Jahresende mit einer Nachlese verlinkt stehen. Welche Bedingungen im Übrigen gelten, ergeben sich aus dem oben verlinkten Beitrag. Auf geht's. :) - Natira 01.01.2020

Liste
- Ich war noch niemals auf Saturn von Michael
- Permanent Record by Edward Snowden
- Exposure by Robert Billot
- Endpost zur gescheiterten Challenge ;)
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