Sonntag, 16. September 2018

Lesesonntag im September 2018

Es ist 7.45 Uhr und ich sitze gerade in meinem Bett, eine Tasse Milchkaffee neben mir sowie drei Bücher und den ebook-reader. Merlin putzt sich; im Gegensatz zu mir hat er sein Frühstück bereits konsumiert. Ich habe noch keinen Hunger.

In den vergangengen ca. 1,5 Wochen habe ich mich durch die ersten 10 Bände der Amelia-Peabody-Reihe in der deutschen Übersetzung gelesen und das Compendium "Amelia Peabody's Egypt". Ich mag die Romanreihe, aber sie in dieser direkten und schnellen Folge zu lesen, zeigt natürlich die "Formel" auf und hinterlässt ein Gefühl der Redundanz, auch wenn die Bände weiterhin unterhaltsam sind und mich durch ihre Vertrautheit und dem Umstand, dass sie keine zu hohe Aufmerksamkeit und Konzentration benötigen, wie gewünscht abgelenkt haben. Das Compendium ist allerdings eine Neuerwerbung - es ist ein Mix aus Fakten und Fiktion und daher trotz knackiger Übersicht mit gewisser Vorsicht als Nachschlagewerk zu verwenden ;). Ausgehend von den genannten Büchern zu Beginn, dürfte es die Zeit bis 1917 umfassen - allerdings wird auch 1939 erwähnt. Es geht um Archaologie, politische Gegebenheiten und Kämpfe, die vorherrschende Religion etc., aber auch um Garderobe, Kindererziehung, Angestellte etc. einer viktorianischen Familie. Zudem finden sich Aufstellungen über reale und weitere Personen und Katzen im Zusammenhang mit der Romanreihe, ein Überblick über Götter, Herrscher und Touristenattraktionen am Nil etc. Es war eine informativ-unterhaltsame Mischung.

Hm, inzwischen geht es auf halb neun, da das Schreiben hier und auf goodreads zu dem Compendium mal wieder etwas mehr Zeit als erwartet in Anspruch genommen hat. Vielleicht mache ich mir jetzt doch etwas Frühstück, bevor ich entscheide, was ich gleich lesen werde.

Update 13.00 Uhr
Ich dachte, ich nutze die Gelegenheit, dass Merlin kurz meinen Schoß verlassen hat, um ein Update zu schreiben. Inzwischen ist er aber wieder gekommen und hat sich auf meine Arme gelegt... Dann muss er jetzt halt damit leben, dass ich mich unter ihm bewege.

Seit heute früh habe ich eine Kurzgeschichte gelesen, in zwei Bücher hineingelesen und eines begonnen, welches ich auch gleich weiterlesen werde.

Die Kurzgeschichte "The Girl in the high Tower" habe ich im englischsprachigen Angebot von skoob entdeckt. Sie stammt von Gennifer Albin und spielt, was ich später erfahren habe, in der "Crewel-World" dieser Autorin, von welcher eine Trilogie dieser Autorin handelt (die nicht bei skoobe verfügbar ist). Ich finden den Ansatz interessant, wonach in Arras Frauen offenbar in der Lage sind, Materie und Zeit zu sehen bzw. Auserwählte, diese zur Realität zur verweben. Die Kurzgeschichte befasst sich mit einer Auserwählten und trotz der Kürze ist der Blick in diese Welt durchaus faszinierend. Mal sehen, vielleicht werfe ich ja mal einen Blick in den ersten Roman der Crewel-Serie.

Ich habe dann die Leseprobe zu "Crysis City" von Kwame Antobam gelesen, ebenfalls im engl.sprachigen Angebot von Skoobe, die ich nicht uninteressant fand. Orrin, ein Wesen der 4. Dimension, beobachtet gelangweilt seine Realität, alles bekannt - bis ihm ein in roten Nebel gehülltes Objekt auffällt, dass er vorher noch nie wahrgenommen hat. Da seine Neugierde geweckt ist, nähert er sich diesem Objekt, das sich als Welt mit einem Mond entpuppt und beginnt, dort Ereignisse zu beobachten. Der Leser sieht hier im Wechsel (soweit die Leseprobe reicht) auf Orrin hinab und durch Orrins Augen auf die Welt und die dortigen Ereignisse, in den offenbar Menschen mit Superkräften existieren und normale Menschen, und in welcher Chrysis City von einem Lord beherrscht wird, gegen den offenbar eine Rebellion startet. Ich habe nur deshalb nicht weiter gelesen, weil es sich um Buch 1 handelt und nur dieses in skoobe zu finden ist.

Sodann habe ich - auch in skoobe - "Inque" von Joshua Erskine und Taye Nakamura-Koyama aufgeschlagen. Die 15jährige Claire lebt mit ihrer jüngeren Schwester und ihrer Mutter ärmlich, der Vater hat die Familie verlassen. Die Welt wird von einer Seuche heimgesucht, die "The Malady" genannt wird, mit der Folge, dass monatlich "Doktoren" ins Haus kommen und die Bewohner von Kopf bis Fuß untersuchen; an wem die Suche entdeckt wird, wird offenbar getötet. Diese in Schutzanzügen verpackten Doktoren jagen Claire, ihrer Sophie und ihrer Mutter naturgemäß Angst ein, die Untersuchung in diesem Monat verlief allerdings problemlos. Claire ist phantasievoll, erzählt ihrer Schwester eine starke Geschichte - um sie für die Schwester seufzend dann umzumodeln und dadurch auch zu verwässern - . Sie ist wissbegierig, aber Bildungspolitik wird nicht gerade groß geschrieben; sie wird wegen eine Diebstahlsverdachtes von Mitschülern verprügelt und als sie endlich wieder daheim ist, findet sie ein schwarzes Buch, welches sie zu lesen beginnt - es ist vertraut und fremd zugleich und schließlich schläft sie ein - um auf einer Wiese zu erwachen in einer Gegend, die definitiv nicht ihre Heimatstadt ist. Dieser Beginn hat mich durchaus gefesselt und ich vermute, dass ich zu dieser Geschichte zurückkehren werden, zumal es offenbar ein Einzelband ist (glaube ich), was selten genug ist.


Als ich mich aber auf den Balkon zurückgezogen habe, nahm ich statt eines elektrischen Gerätes doch ein normales Buch mit "The Dream Hunters" von Neil Gaiman, eine Novelle, die im Sandman-Universum spielt. Die Geschichte beginnt mit einer Wettkampf zwischen einem Waschbären und einer Füchsin, wer als erstes einen jungen Mönch aus einem kleinen Tempel in Japan vertreiben und sich über dessen Vorräte hermachen könne. Die Füchsin allerdings verliebt sich dabei in den Mönch und das hat Einfluss auf die weitere Geschicke des Mönchs. Dream, dessen Gestalt sich daran orientiert, wer ihn sieht, ist bereits aufgetreten. Die Novelle wurde vonYoshitaka Amano illustriert und - ich bin derzeit ca. bei der Hälfte - ich liebe die Illustrationen (einfach mal "Amano Dream Hunters Gaiman" googlen und die Bilder anschauen).

Ich werde jetzt eine Runde bei den Mitleserinnnen drehen und dann vermutlich zu dieser Novelle zurückkehren.

Update 17.30 Uhr
Mitten in meiner Kommentarrunde heute Nachmittag klingelte es an meiner Haustür und ich durfte mich erst einmal ein halbes Stündchen über Besuch freuen. Eine Freundin schaute auf ihrer Runde mit der Hündin herein und wir quatschten etwas auf der Bank vor der Haustür; wir haben es beide nicht gewagt, die Hündin Merlin vorzustellen. Der Nachmittag verging danach mit einem späten Mittagessen (Bagel mit Tomate und Mozarella) und dem Beenden von "The Dream Hunters" von Neil Gaiman. Mir gefiel die Novelle - eine Adaption und Erweiterung iner japanischen Erzählung - und die Illustration vervollständigen den Text wunderbar. Im Anschluss habe ich noch etwas in "Inque" gelesen  - Claire hat in der ihr fremden Welt Hilfe von einem König erhalten, der ihre Unterstützung benötigt. Wenngleich die Geschichte weiterhin interessant ist, finde ich manche Szenenwechsel recht abrupt. Ich weiß nicht, ob hier etwas redigiert wurde oder nicht, es wirkt nur etwas sprunghaft. Und für eine 15jährige, auch wenn sie in eine fremde Umgebung geworfen wurde, hinterfragt mir Claire zu wenig im Hinblick darauf, was ihr Helfer ihr über seine Geschichte und die seines Bruders erzählt. Aber nun ...

Merlin hat gerade sein Abendessen bekommen, ich bin noch gesättigt vom späten Mittagessen. Allerdings habe ich mir bereits jetzt am frühen Abend ein Glas Rotwein eingegossen und werde gleich mal schauen, was bei den Mitleserinnen so passiert ist. Danach ... Hm, vielleicht der King-Roman? Oder ich lese ein Kapitel im zweiten Lucifer-Comic-Band? Oder mache ich mir vielleicht den Fernseher an?

Ich werde berichten; ein Update wird es heute sicherlich noch geben. 

letztes Update 21.00 Uhr
Rödel hier und rödel da, etwas im Netz unterwegs und mit Merlin katzeln und ein paar Clips auf youtube schauen, dann noch die letzte Folge von Sleepy Hollow und schon ist es 21 Uhr. Gelesen habe ich nichts mehr.

Ich werde gleich noch einmal eine Runde bei den Mitleserinnen drehen und dann vermutlich auch bald in meine Koje fallen. Ab Morgen geht der normale Arbeitsalltag wieder los, der Wecker ist bereits wieder aktiviert (beim letzten Mal hatte ich das am ersten Arbeitstag vergessen und war froh, dass ich "so" aufgewacht bin).

Mit etwas Glück lesen wir uns spätestestens zum Lesesonntag im Oktober wieder. Bis dahin macht es gut und es war schön, wieder online in Gemeinschaft zu lesen und sich auszutauschen.

Donnerstag, 6. September 2018

Marlowe




Marlowe ist gestern eingeschlafen. Er hat mein Leben und das von Merlin über 10,5 Jahre bereichert. Ich vermisse ihn.


Bei der Voruntersuchung zur anstehenden OP gestern wurde zunächst festgestellt, dass die Masse seit vergangenem Freitag erneut gewachsen war und nun fühl- und ertastbar bis zum Knochen reichte. Da der Tierarzt am Freitag ein Medikament gespritzt hatte, um das Wachstum zu verlangsamen und uns für die Vorbereitung zur OP mehr Zeit zu geben, waren wir alle ziemlich geschockt. Der Tierarzt sagte, er werde vor diesem Hintergrund voraussichtlich tiefer und mehr schneiden und mit auf der linken Seiten an den Brustbereich gehen müssen, was aber bewegungstechnisch keinen Unterschied machen werde. Marlowe hatte erneut 100 g abgenommen - er hatte während der letzten vier Tage im Grunde nur Flüssigkeit geschleckt und am Dienstagabend ein paar Streifen Rindlfleisch. Während der Voruntersuchungen wurde auch ein sehr schneller Herzschlag festgestellt, der in den letzten Jahren zwar gestiegen war, aber noch keine Behandlung erforderlich gemacht hatte. Wir brachten ihn mit dem Stress zusammen mit dem Tumorwachstum in Verbindung.  Marlowe bekam ein blutdrucksenkendes Mittel und eine Kombination von Schmerzmitteln und wir beide setzten uns ins Wartezimmer, um das Einsetzen der Wirkung abzuwarten. Etwas später bekam er eine weitere Spritze, die ihn bereits deutlich beruhigte. Danach saß ich bei ihm, hielt seinen Kopf, während er fürsorglich aber konzentriert rasiert wurde, und streichelte ihn, als ihm das Narkosemittel gegeben wurde und es zu wirken begann. 
Kurz nach halb vier verließ ich die Praxis und kurz nach 18 Uhr bekam ich einen Anruf: Die OP sei beendet, sie sei soweit gut verlaufen, auch wenn weiter geschnitten werden musste, und man sei optimistisch, dass man alles gut entfernt habe; die "Ränder" würden dem Zystologen übermittelt für den Test. Wenn Marlowe aufgewacht sei, würde ich angerufen. Und so wartete ich. Ich machte eine Wärmflasche heiß und steckte sie vorbereitend in die Decke, in die sich Marlowe gern verkroch und die seinen Geruch hatte. Ich las ein Buch. Ich gab Merlin sein Abendessen. Und um kurz nach 21 Uhr rief der Tierarzt an - Marlowe sei wach, ich könne kommen. Marlowe habe die Narkose gut verkraftet; manche Kastrationspatienten bräuchten länger für die Aufwachphase. Marlowe habe versucht, sich aufzurichten, rechts auf das Vorderbein - links jedenfalls den  Schulterbereich schon mal bewegt.  Der Tierarzt meinte, dass die vertraute Umgebung und ich jetzt zur Minderung des Schocks und des Stresses hilfreich wären. Er hätte ihm vor kurzem Antibiotika und Flüssigkeit gegeben, die Marlowe auch gut geschluckt hätte, und dann wies er mich in die Nachsorge für die Nacht ein, insbesondere Gabe von Flüssigkeit (die er aushändigte), Wärme, Antibiotika für den frühen Morgen -  und wann ich am Donnerstag wieder kommen sollte. 
Und dann ... dann war Marlowe bereits kollabiert, Atmung und Herzschlag hatten ausgesetzt. Wir haben irgendwann (15, 20 Minuten?) akzeptieren müssen, dass Marlowe aufgehört hatte, zu kämpfen. Ich war in dieser Zeit immer nah bei ihm, habe ihn gestreichelt, habe in sein Ohr gesprochen; ich will glauben, er hat mich irgendwie noch wahrgenommen, bevor er ging.

Nachtrag 18.30 Uhr
Ich war gerade noch einmal in der Praxis. Der Tierarzt hat eine Autopsie gemacht in der Hoffnung, die Ursache für den plötzlichen Kollaps zu finden.  Es gab nicht nur die Masse am Bein. Eine Niere war bereits deutlich verändert - und versteckt hinter dem Herz hatte sich auch eine Masse entwickelt, fast so groß wie das Herz, die gegen letzteres drückte. Diese drei Dinge hatte an Marlowes Kräften gezehrt, und nur die große Masse war auf den von verschiedenen Seiten aufgenommenen Röntgenbildern erkennbar gewesen. Marlowes Herz- und Kreislaufsystem war nicht in der Lage, nach der Narkose mit dem Schockzustand und dem gegen das Herz drückenden Tumor wieder richtig einzusetzen. So jedenfalls habe ich den Tierarzt als Laie verstanden. Ohne die OP wäre seine Lebenserwartung jedoch auch nicht mehr hoch gewesen. Es tut mir weh und leid, dass ich Marlowe dem Stress zur OP ausgesetzt habe statt ihn in Ruhe zu lassen und palliativ zu versorgen, aber all das Vorstehende war vor dem Eingriff nicht erkennbar und um die am Bein schnell wuchernde Masse, die einzige für uns erkennbare, musste sich gekümmert werden. Die Masse am Herz lag so unglücklich, dass sie auf den Bildern nicht zu sehen war und auch die Veränderungen auf der Niere waren nicht erkennbar. Auch früher gab es keine Anzeichen; das erste offensichtliche war das Humpeln.
Ich bin dankbar, dass Marlowe den Mittwochvormittag in der Sonne auf dem Balkon verbrachte, dass er am Dienstag Appetit hatte und Rindfleisch aß, dass er die Praxis und das Team kannte, dass ich bis zur Narkose bei ihm war und auch in den Minuten, bevor er ging. Wie gesagt, ich will glauben, dass er mich noch irgendwie wahrgenommen hat.

Sonntag, 2. September 2018

Marlowe-Sorgen

Ein paar von Euch haben es vielleicht hier im Blog am Rande mitbekommen, dass es Marlowe nicht so gut geht, ein paar auch über Twitter. Letzten Freitag war ich mit ihm noch einmal beim Tierarzt, weil er extrem wenig Nahrung zu sich nahm und ich prüfen lassen wollte, ob es Zahn-/Rachen/Mundraum-Probleme gibt oder ggf. die Medikation der Grund sei. Den letzten Checkup wegen seines linken Vorderbeins hatte er knapp 10 Werktage davor im Zusammenhang mit Krallenschneiden. Grob zwei Wochen davor war ich das erste Mal beim Tierarzt, weil er lahmte und humpelte.

Letzten Freitag wurde festgestellt, dass der Mundraum in Ordnung ist. Allerdings hat der Tierarzt eine Masse festgestellt, die er beim letzten Check vor ca. 2 Wochen, welchen Bewegungsradius des Vorderbeins Marlowe zulässt,  noch nicht bemerkt hatte. Sie befindet sich am/im Muskel-Sehnengewebe ungefährt dort, wo beim Menschen der Oberarm hinten ist - jedenfalls ist es dass, was ich von den Freitaggesprächen mitgenommen haben. Ich bin derzeit etwas überfordert. Die Röntgenbilder zeigen den Massezuwachs, aber auch, dass nicht am Knochen oder im Knochen zu sehen ist. Ich habe eine Zweitmeinung eingeholt unter Schilderung auch des Zeitablaufs und der Lebenssituaton (Alter, kein Freigang, keine sonstigen offensichtlichen Beschwerde). Das Ergebnis beider Ärzte war: OP, Feststellungen beim Schnitt und sofern es nicht ein alter Abzess o.ä. ist, der so glücklich "liegt", dass Muskel und Sehnen durch Schneiden nicht beschädigt werden, Amputation des linken Vorderbeins. Selbst wenn man es ein Abzess wäre, bestünde die hohe Wahrscheinlichkeit, dass Marlowe das Vorderbein nicht mehr belasten und nutzen könnte. Ist es wie befürchtet ein Tumor, sollte schon wegen der Gefahrenlage nicht versucht werden, herauszuschneiden. Kurze Anmerkung: Mein Tierarzt besprach mit mir Lage, Option, Gefahr, Ergebnis (Beweglichkeit). Wir hatten kurz auch die Möglichkeit angesprochen, eine Biopsie zu machen und auf den Befund zu warten, aber das verworfen, weil dann weitere 7 bis 10 Kalendertage vergehen würden, bis eine OP möglich ist. Der andere Tierarzt ging darauf auch ein und meinte dann, als wir vor den Röntgenbildern standen, dass es auch Einschläfern eine legitime Überlegung sei.  Noch einmal:  Wir standen vor den Bildern, auf denen die Massse aber sonst kein Hinweis auf andere Probleme/Befall zu sehen war, und er spricht Euthanasie an? Fachlich mag dieser Arzt ja in Ordnung sein, aber das ... ich habe am Freitag vor Ort nichts gesagt, weil ich sowiseso durch den Wind war, aber ich bin immer noch erschrocken darüber und verstehe es auch nicht, dass er diese Option aus meiner Sicht völlig anlasslos angesprochen hat.

Marlowe wird nächsten Mittwochnachmittag operiert werden. Der Tierarzt und ich stellen uns auf die Amputation des linken Vorderbeins unterhalb des Schulterblattes ein. Er hat mir im gestrigen Gespräch erklärt, worauf ich am Dienstag achten soll, worauf am Mittwochvormittag, um 13 Uhr bin ich bei ihm für die OP-Vorbereitung. Er hat das Rasieren angesprochen, den langen Schnitt. Ich gebe zu, ein paar Dinge rauschten vorbei. Er hat mir die Anschaffung eines Stramplers empfohlen, damit Marlowe nicht an die Wunde kommt und zugleich der Körper auch bedeckt ist; die Halskrause empfehle er nur kurzfristig.

Seit zwei Tagen schwanke ich zwischen Ablenkung durch youtube und Shows, die ich kenne, der Sorge um Marlowe, weil er mich meidet und nicht frisst (wenigstens habe ich ihn heute früh die Toilette benutzen sehen, ich hatte auch wegen des Urinlassens Sorge) und dem Entwerfen von Szenarien für die Zeit ab Mittwoch mit daraus folgenden Bestellungen/Vorbereitungen.

Ich habe gestern einen Post-OP-Body besorgt und an Merlin anprobiert. Er ist zu klein, denke ich, da er schon bei Merlin eng anlag.  Selbst nach der Rasur dürfte dieser Body wohl für Marlowe zu schmal geschnitten sein. Vielleicht kann ich ihn umtauschen (er hat nun auch schon Katzenhaare an sich), falls nicht, werde ich ihn waschen und spenden. Außerdem: Er ist unten zu, d.h. wie ein Strampler zu zu knöpfen, ich weiß nicht, wie das bei Toilettengängen gehen soll. Ich habe daher im Netz ein Pet-OP-Shirt bestellt, hoffentlich in der passenden Größe, das unten frei sei soll. Mal sehen.

Gestern habe ich auch eine Mircofleece-Poncho besorgt, indem Marlowe auch bereits lag und so etwas von seinem Geruch abgegeben hat. Ich hoffe, damit kann ich ihn zusätzlich warm und sicher halten. 

Ich habe an einem normalen Versandkarton drei Kartonseiten hochgestellt, die vierte entfernt und einen Einstieg hineingeschnitten, sodass ich eine flache Katzentoilette mit etwas Rundumschutz habe. Außerdem habe ich Einmal-Krankenunterlagen bei Inkontinenz bestellt. Ich werde damit den Karton am Boden und an den Seiten präparieren (es ist ja nur Pappe) und dann auf dem Boden Streu mit Lockstoff einfüllen + außen herum die Dinger auslegen. Im Haus habe ich drei Katzentoiletten, die von oben zugänglich sind, und eine Haubentoilette; ich fürchte, Marlowe wird eine Zeitlang keine von diesen wirklich benutzen können, auch wenn ich die Haubentoilette mit anbieten werde.

Ich habe entschieden, Marlowe nach der OP erst einmal auf das Wohnzimmer zu beschränken. Ich habe den Tisch in eine Ecke geräumt, sodass nur noch zwei der vier Seiten zugänglich sind (und das Wohnzimmer außerdem in der Mitte jetzt eine große freie Fläche hat). Dies hilft hoffentlich mir, wenn Marlowe sich dorthin zurückzieht und ich ihm Medikamente geben oder mit ihm für die Nachversorgung zum Arzt muss (aktuell meidet er mich deutlich, hat mich heute früh sogar angefaucht, als ich in seine Nähe kam; die Medikamentengabe wird dadurch nicht einfacher, weil sich der Kreislauf aus Zugriff/Zwang und Zurückziehen immer weiter verstärkt). Ich habe meinen einen Sessel umgedreht, damit er sich dort nicht mehr so einfach verstecken kann - auch dies, aus vorstehenden Gründen. Ich werde im Wohnzimmer schlafen, allerdings nicht die Gästecouch ausziehen, weil er dann darunter kriechen könnte. Vielmehr werde ich meine Matratze aus dem Schlafzimmer auf den Boden im Wohnzimmer legen (ich habe auch hier für etwaige Malheurs eine wasserfeste Auflage geordert): Marlowe gelangt dann leichter auf die nicht so hohe Matratze und auch von ihr herunter; wenn er fällt, ist die Fällhöhe sehr gering; ich hoffe einfach, dass er meine Nähe akzeptieren wird.

Neben Marlowe merkt auch Merlin, dass etwas im Busch ist. Ich versuche, Merlin durch intensive Katzeleinheiten zu bestärken, aber mein Fokus ist auf Marlowe. Hoffentlich führt das nicht zu Unsicherheitsverhalten bei Merlin.

Ich hoffe immer noch, dass bei der OP festgestellt wird, dass alles ein Irrtum oder alles nicht so schlimm wie befürchtet ist.  Aber ich muss der Alternative  ins Auge sehen, besonders weil die Masse so schnell gewachsen ist. Marlowe ist grundsätzlich robust, die Röntgenbilder sehen im Übrigen gut aus, es gibt viele Katzen, die so oder noch mehr gehandicapt sind und die zusammen mit ihren Menschen und kätzischen Mitbewohnern ihr Leben meistern. Wir bekommen das auch hin.