Montag, 25. Juni 2018

Nachlesen #1

Mit einer Freundin war ich letzten Samstag in einer Nachbarstadt frühstücken und danach sind wir u.a. in dem kleinen Buchladen gelandet, in welchem ich bereits am Freitag vor einer Woche vier Bücher gekauft habe. Auch dieses Mal bin ich nicht ohne Buch dort herausgekommen, aber dazu später mehr.

Zunächst will ich kurz etwas über "Geheime Geschichten für Frauen, die Saris tragen" von Balli Kaur Jaswal erzählen. Protagonistin ist Nikki, eine junge indischstämmige Frau in London, die ihr Jurastuium abgebrochen hat, derzeit in einem Pub jobbt und etwas ziellos ist, was ihr weiteres Leben angeht. Als sie für ihre Schwester Mindi, die eine arrangierte Ehe anstrebt, eine Heiratsannonce im indischen Tempel im Londoner Southall (Little India) ans schwarze Brett heftet, sieht sie ein Stellengesuch für eine Schreibwerkstattleiterin für kreatives Schreiben. Zwar hat sie auch hier keine wirkliche Vorerfahrung, aber sie stellt sich bei Kuhlwinder vor, die diesen Kurs im Gemeinderat durchgesetzt hat. Während Nikki davon ausgeht, dass sie den Kursteilnehmerinnen beibringt, kreativ zu schreiben und Geschichten zu erzählen (wie es die Anzeige dargestellt hat), weiß Kuhlwinder, dass es wortwörtlich darum gehen wird, den Frauen das Schreiben beizubringen. Ich hatte letzten Sonntag geglaubt, ich wüsste, wohin die Reise ginge. Das war so nicht richtig. Wie erhofft, hat die Autorin die Gelegenheit genutzt, in das Leben indischer Frauen (und ein wenig auch der Männer) in der indischen Gemeinschaft in Southall (und auch etwas anderswo) einzutauchen. Die Frauen, die in Nikkis Kurs kommen, sind Witwen - und die meisten von ihnen sind alt genug, um Nikkis Großmutter zu sein, und sie haben andere Vorstellungen von Verhaltensweisen, Auftreten und Mode als Nikki. Ebenfalls nicht unerwartet ist, dass dieser Kurs sowohl die Teilnehmerinnen als auch ihre Kursleiterin von einander lernen lässt. Überraschender ist dann schon, wohin sich der Kurs entwickelt und welche Kreise das zieht. Mir ging durch den Kopf, dass einige der Ereignisse im Roman zu schnell bestimmte Auswirkungen haben (ich denke z.B. an einen Abend mit nachfolgendem Tag bei Kuhlwinder), auch wenn es mich, ehrlich gesagt, während des Lesens nicht länger gestört hat. Es gab bei der Lektüre auch weitere  Dinge zu entdecken, wie z.B. dass das Zusammenleben von Mutter und Tochter (beides Witwen) dazu führt, dass letztere aus einer Geschichte der Mutter fast umgehend den richtigen Schluss zieht oder dass u.a. diese Generation von Frauen für sich eine Sprache suchen muss(te), um ihre Bedürfnisse zu artikulieren. Wobei ich mich dann fragen, wie ihr Leben nach der Heirat gewesen ist, wenn sie diese Geschichten erdenken. Ich hätte mir hier gern mehr Details über das Leben der älteren Kursteilnehmerinnen gewünscht; andererseits:  Vielleicht entschied die Autorin für ihre Charaktere auch, dass es ihnen leichter fällt, die geheimen Geschichten zu teilen als wirklich Privates.  Ich habe den Roman wirklich gern gelesen, auch wenn mich ein, zwei Dinge etwas störten.


Die beiden Bücher, die ich letzten Samstag mitgenommen hatte, habe ich übrigens an dem vergangenen Wochenende bereits durchgelesen. ;)

"Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinksy" von Jean-Paul Didierlaurent ist eine warmherzige Gesichte um den titelgebenden älteren Monsieur Dinsky, die Seniorenhelferin Manelle und dem Thanatopraktiker Ambroise (incl. Großmutter). Es dauerte bis zur Hälfte des Romans, bis man erfährt, welchen Wunsch Monsieur Dinsky konkret hat, aber über diese Zeit lernt man Manelle und Ambroise durch die Art und Weise kennen, wie sie ihren Job machen und mit welchen Menschen sie wie umgehen. Ambroise und seine Großmutter sind mir dabei über den Roman hinweg besonders ans Herz gewachsen; ich fand die Geschichte einfach nett.

Mitgenommen und am gestrigen Sonntagabend beendet habe ich außerdem "Sturm" von Uwe Laub, in dem es um extreme Wetterphänomene geht, die weltweit auftreten: Ein Tornade in Berlin, ein verdampfender See in Australien, auftauender Permafrostboden in Sibirien. Leider hat mich dieser Thriller nicht so  mitgenommen, wie gehofft. Für meinen Geschmack wurde zu schnell aufgedeckt, um was es in dem Roman geht mit dem Ergebnis, dass die Hälfte der Spannung für mich weg fiel und nur noch die Spannung im Sinne von "der Weg ist das Ziel" übrigblieb. Für mich waren auch die fachlichen Ausführungen etwas zu technisch bzw. ich kam nicht so recht mit. Versteht mich nicht falsch: Ich fand die Geschichte noch immer interessant - sonst hätte ich deutlich länger für den Roman gebraucht :) -, aber ich glaube auch, dass der Autor hier etwas Potential verschenkt hat.

Tja, soviel zu den letzten drei von mir gelesenen Büchern. Recht nah neben mir liegen derzeit meine letzten beiden Neuzugänge: "Das Kaff" von Jan Böttcher und "Die Stadt und das Mädchen" von Jiro Taniguchi (ein - wie es sich gehört ;) - von hinten nach vorn zu lesender Manga). Mal schauen ... :)

6 Kommentare:

  1. Ich bin gespannt, wie dir "Die Stadt und das Mädchen" gefällt.

    Und ich glaube, ich hätte "Geheime Geschichten für Frauen, die Saris tragen" wirklich gern als Leihgabe. ;)

    Schön, dass dir deine Neuzugänge so viel Vergnügen bereitet haben! Ich hoffe, du hast weiterhin Zeit zum Lesen und viel Spaß dabei! :)

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    1. Ich schätze, dass ich zu den beiden Büchern wohl erst ab Donnerstag komme. :)

      Die Geheimen Geschichten packe ich Dir auf den Leihstapel; ich bin ehrlich gesagt noch auf der Suche nach "Naoko" von Higashino. Seltsamerweise liegt es nicht bei den anderen Higashino-Büchern, hmmm...

      Übrigens:
      Hat sich für Dich etwas beim Kommentar-Abo geändert, hast Du eine separate E-Mail vorab bekommen?
      Interessanterweise habe ich für meine eigene Admin-Freischaltungs-Mail bzw. Admin-Benachrichtungsmail vorab jeweils eine separate E-Mail erhalten, die ich jeweils bestätigen musste. Das ist zwar nett, aber ich frage mich, ob blogger das auch für die Leser, die ein Kommentar-Abo aktivieren, anbietet.

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    2. So lange ist es bis Donnerstag ja nicht mehr hin. :)

      Danke! Hmmmm ... Naoko wollte wohl einen besonderen Platz in deiner Wohnung. *g*

      Äh, keine Ahnung. Ich abonniere immer noch über die Winterkatze und kommentiere dann mit Name und URL. Oh, aber wenn ich mich recht erinnere, dann musste ich den Roboterhaken nicht setzen!

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    3. Ich hatte gehofft, Du hättest zunächst eine Mail erhalten mit der Bitte um Bestätigung, dass Du das Abo willst (so, wie Du es für Deine Kommentatoren auch eingerichtet hast). Offenbar gingen so weit die blogger-Arbeiten im Zusammenhang mit der DSGVO dann wohl doch nicht. seufz
      Jupp, der Donnerstag wirft schon laaaange Schatten voraus. :)

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    4. Nope, keine Mail. Nur der Verweis auf die Moderation beim Abschicken des Kommentars.

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    5. Das habe ich befürchtet, seufz. Nun ja

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