Ein paar von Euch haben es vielleicht hier im Blog am Rande mitbekommen, dass es Marlowe nicht so gut geht, ein paar auch über Twitter. Letzten Freitag war ich mit ihm noch einmal beim Tierarzt, weil er extrem wenig Nahrung zu sich nahm und ich prüfen lassen wollte, ob es Zahn-/Rachen/Mundraum-Probleme gibt oder ggf. die Medikation der Grund sei. Den letzten Checkup wegen seines linken Vorderbeins hatte er knapp 10 Werktage davor im Zusammenhang mit Krallenschneiden. Grob zwei Wochen davor war ich das erste Mal beim Tierarzt, weil er lahmte und humpelte.
Letzten Freitag wurde festgestellt, dass der Mundraum in Ordnung ist. Allerdings hat der Tierarzt eine Masse festgestellt, die er beim letzten Check vor ca. 2 Wochen, welchen Bewegungsradius des Vorderbeins Marlowe zulässt, noch nicht bemerkt hatte. Sie befindet sich am/im Muskel-Sehnengewebe ungefährt dort, wo beim Menschen der Oberarm hinten ist - jedenfalls ist es dass, was ich von den Freitaggesprächen mitgenommen haben. Ich bin derzeit etwas überfordert. Die Röntgenbilder zeigen den Massezuwachs, aber auch, dass nicht am Knochen oder im Knochen zu sehen ist. Ich habe eine Zweitmeinung eingeholt unter Schilderung auch des Zeitablaufs und der Lebenssituaton (Alter, kein Freigang, keine sonstigen offensichtlichen Beschwerde). Das Ergebnis beider Ärzte war: OP, Feststellungen beim Schnitt und sofern es nicht ein alter Abzess o.ä. ist, der so glücklich "liegt", dass Muskel und Sehnen durch Schneiden nicht beschädigt werden, Amputation des linken Vorderbeins. Selbst wenn man es ein Abzess wäre, bestünde die hohe Wahrscheinlichkeit, dass Marlowe das Vorderbein nicht mehr belasten und nutzen könnte. Ist es wie befürchtet ein Tumor, sollte schon wegen der Gefahrenlage nicht versucht werden, herauszuschneiden. Kurze Anmerkung: Mein Tierarzt besprach mit mir Lage, Option, Gefahr, Ergebnis (Beweglichkeit). Wir hatten kurz auch die Möglichkeit angesprochen, eine Biopsie zu
machen und auf den Befund zu warten, aber das verworfen, weil dann
weitere 7 bis 10 Kalendertage vergehen würden, bis eine OP möglich ist. Der andere Tierarzt ging darauf auch ein und meinte dann, als wir vor den Röntgenbildern standen, dass es auch Einschläfern eine legitime Überlegung sei. Noch einmal: Wir standen vor den Bildern, auf denen die Massse aber sonst kein Hinweis auf andere Probleme/Befall zu sehen war, und er spricht Euthanasie an? Fachlich mag dieser Arzt ja in Ordnung sein, aber das ... ich habe am Freitag vor Ort nichts gesagt, weil ich sowiseso durch den Wind war, aber ich bin immer noch erschrocken darüber und verstehe es auch nicht, dass er diese Option aus meiner Sicht völlig anlasslos angesprochen hat.
Marlowe wird nächsten Mittwochnachmittag operiert werden. Der Tierarzt und ich stellen uns auf die Amputation des linken Vorderbeins unterhalb des Schulterblattes ein. Er hat mir im gestrigen Gespräch erklärt, worauf ich am Dienstag achten soll, worauf am Mittwochvormittag, um 13 Uhr bin ich bei ihm für die OP-Vorbereitung. Er hat das Rasieren angesprochen, den langen Schnitt. Ich gebe zu, ein paar Dinge rauschten vorbei. Er hat mir die Anschaffung eines Stramplers empfohlen, damit Marlowe nicht an die Wunde kommt und zugleich der Körper auch bedeckt ist; die Halskrause empfehle er nur kurzfristig.
Seit zwei Tagen schwanke ich zwischen Ablenkung durch youtube und Shows, die ich kenne, der Sorge um Marlowe, weil er mich meidet und nicht frisst (wenigstens habe ich ihn heute früh die Toilette benutzen sehen, ich hatte auch wegen des Urinlassens Sorge) und dem Entwerfen von Szenarien für die Zeit ab Mittwoch mit daraus folgenden Bestellungen/Vorbereitungen.
Ich habe gestern einen Post-OP-Body besorgt und an Merlin anprobiert. Er ist zu klein, denke ich, da er schon bei Merlin eng anlag. Selbst nach der Rasur dürfte dieser Body wohl für Marlowe zu schmal geschnitten sein. Vielleicht kann ich ihn umtauschen (er hat nun auch schon Katzenhaare an sich), falls nicht, werde ich ihn waschen und spenden. Außerdem: Er ist unten zu, d.h. wie ein Strampler zu zu knöpfen, ich weiß nicht, wie das bei Toilettengängen gehen soll. Ich habe daher im Netz ein Pet-OP-Shirt bestellt, hoffentlich in der passenden Größe, das unten frei sei soll. Mal sehen.
Gestern habe ich auch eine Mircofleece-Poncho besorgt, indem Marlowe auch bereits lag und so etwas von seinem Geruch abgegeben hat. Ich hoffe, damit kann ich ihn zusätzlich warm und sicher halten.
Ich habe an einem normalen Versandkarton drei Kartonseiten hochgestellt, die vierte entfernt und einen Einstieg hineingeschnitten, sodass ich eine flache Katzentoilette mit etwas Rundumschutz habe. Außerdem habe ich Einmal-Krankenunterlagen bei Inkontinenz bestellt. Ich werde damit den Karton am Boden und an den Seiten präparieren (es ist ja nur Pappe) und dann auf dem Boden Streu mit Lockstoff einfüllen + außen herum die Dinger auslegen. Im Haus habe ich drei Katzentoiletten, die von oben zugänglich sind, und eine Haubentoilette; ich fürchte, Marlowe wird eine Zeitlang keine von diesen wirklich benutzen können, auch wenn ich die Haubentoilette mit anbieten werde.
Ich habe entschieden, Marlowe nach der OP erst einmal auf das Wohnzimmer zu beschränken. Ich habe den Tisch in eine Ecke geräumt, sodass nur noch zwei der vier Seiten zugänglich sind (und das Wohnzimmer außerdem in der Mitte jetzt eine große freie Fläche hat). Dies hilft hoffentlich mir, wenn Marlowe sich dorthin zurückzieht und ich ihm Medikamente geben oder mit ihm für die Nachversorgung zum Arzt muss (aktuell meidet er mich deutlich, hat mich heute früh sogar angefaucht, als ich in seine Nähe kam; die Medikamentengabe wird dadurch nicht einfacher, weil sich der Kreislauf aus Zugriff/Zwang und Zurückziehen immer weiter verstärkt). Ich habe meinen einen Sessel umgedreht, damit er sich dort nicht mehr so einfach verstecken kann - auch dies, aus vorstehenden Gründen. Ich werde im Wohnzimmer schlafen, allerdings nicht die Gästecouch ausziehen, weil er dann darunter kriechen könnte. Vielmehr werde ich meine Matratze aus dem Schlafzimmer auf den Boden im Wohnzimmer legen (ich habe auch hier für etwaige Malheurs eine wasserfeste Auflage geordert): Marlowe gelangt dann leichter auf die nicht so hohe Matratze und auch von ihr herunter; wenn er fällt, ist die Fällhöhe sehr gering; ich hoffe einfach, dass er meine Nähe akzeptieren wird.
Neben Marlowe merkt auch Merlin, dass etwas im Busch ist. Ich versuche, Merlin durch intensive Katzeleinheiten zu bestärken, aber mein Fokus ist auf Marlowe. Hoffentlich führt das nicht zu Unsicherheitsverhalten bei Merlin.
Ich hoffe immer noch, dass bei der OP festgestellt wird, dass alles ein Irrtum oder alles nicht so schlimm wie befürchtet ist. Aber ich muss der Alternative ins Auge sehen, besonders weil die Masse so schnell gewachsen ist. Marlowe ist grundsätzlich robust, die Röntgenbilder sehen im Übrigen gut aus, es gibt viele Katzen, die so oder noch mehr gehandicapt sind und die zusammen mit ihren Menschen und kätzischen Mitbewohnern ihr Leben meistern. Wir bekommen das auch hin.
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